Inkontinenzmanagement – Assessment, Produktauswahl, Hautschutz
Strukturiertes Vorgehen: erst Assessment und Kontinenzförderung, dann bedarfsgerechte Produktauswahl nach Menge, Trageform und Tragezeit – flankiert von konsequentem Hautschutz zur Prävention der inkontinenzassoziierten Dermatitis (IAD).
1. Assessment und Kontinenzförderung zuerst
Der pflegerische Ansatz rückt die individuelle Einschätzung in den Mittelpunkt: Kontinenzsituation, Ressourcen und beeinflussbare Faktoren (Mobilität, Medikamente, Trinkverhalten, Toilettenzugang, kognitive Situation). Ziel ist, erreichbare Kontinenz aktiv zu fördern – etwa durch Toilettentraining, angepasste Trinkgewohnheiten oder bauliche/organisatorische Anpassungen – bevor rein kompensatorisch versorgt wird. Erst wenn Förderung an Grenzen stößt, rückt die aufsaugende Versorgung in den Vordergrund.
2. Bedarfsgerechte Produktauswahl
Die Auswahl folgt drei Achsen:
| Kriterium | Leitfrage | Konsequenz |
|---|---|---|
| Saugstärke | Wie viel und wie oft? | Produktstufe an reale Menge anpassen, nicht „sicherheitshalber” überdimensionieren |
| Trageform | Mobil oder bettlägerig? | Pants bei Mobilität, Slip bei Liegendversorgung, Vorlage + Fixierung bei teilmobil |
| Tragezeit | Tag- oder Nachtversorgung? | höhere Saugstärke für lange Nachtphasen, ggf. Bettschutz |
Über- wie Unterversorgung sind Risiken: Überversorgung hält Feuchtigkeit an der Haut und erhöht Kosten, Unterversorgung führt zu Leckagen und Hautschäden.
3. Hautschutz konsequent mitdenken
Hautschutz ist integraler Teil des Managements: zeitnaher Wechsel (Nässeindikator nutzen), mildes Reinigen ohne Reibung, geeignete Barriereprodukte, atmungsaktive Systeme. Siehe vertiefend IAD erkennen und vorbeugen.
Für die Auswahl passender Produktsysteme und vertragskonforme Abrechnungswege unterstützt eine fachliche Versorgungsberatung; die Rezeptversorgung läuft über § 33 SGB V (Versorgungsweg), Verbrauchs-Pflegehilfsmittel über § 40 SGB XI.
Häufige Fragen
Warum nicht direkt das stärkste Produkt? Überversorgung erhöht IAD-Risiko, Kosten und mindert Komfort. Ziel ist die kleinstmögliche, sichere Versorgung.
Was meint Kontinenzförderung? Erreichbare Kontinenz durch Assessment und gezielte Maßnahmen fördern, bevor kompensatorisch versorgt wird.
Quellen & Stand: FgSKW; Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V.; Expertenstandard-Kontext (DGP). Stand: 06/2026.